YNNARI – TATSÄCHLICH UNSCHLAGBAR??

1. Einleitung

Hallo, hier bin ich wieder. Eigentlich hatte ich gedanklich schon letzten Sonntag ein Thema vorbereitet, aber ich erhielt eine nette Zuschrift (danke dafür) mit folgender Bitte:

 

„Hallo Häubchen. Fettes Dankeschön für Deinen Dämonenartikel. Echt knorke. Kannste mir vielleicht mal ein paar Tipps geben, wie ich gegen diese blöden Eldar mit ihren neuen Super-Duper Sonderregeln gewinnen kann? Ich spiele Space Marines und mein Kumpel verprügelt mich gnadenlos. Danke schon mal im Voraus!“

 

Meine Antwort an meinen bisher einzigen Fan kommt schnell und ist einfach: „Lies Dir Clausewitz Werk: Vom Kriege“ durch!“https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Clausewitz

Es gibt keinen Heeresoffizier, der nicht an der Offiziersschule von unnachsichtigen Geschichts- und Taktiklehrern durch dieses Standardwerk eines Militärs geprügelt worden wäre. Die dort skizzierten Prinzipien sind zeitlos gültig. Da sich der gute Carl allerdings arg schwülstig ausdrückt, empfehle ich eine amerikanische Übersetzung (ja, die guten US Amerikaner sind echte Clausewitz-Fans. Auch in ihrer Militärakademie wird Clausewitz gelehrt.)

 

Wer nicht ganz so viel Zeit hat, der lese sich die Lehren Sunzis (häufig auch Sun Tzu genannt) durch. Das liegt unter anderem auch daran, dass der alte Chinesen-General nicht so viel geschrieben hat und seine Lehrsätze sehr eingängig sind.

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Kunst_des_Krieges_(Sunzi)

 

Den Letztgenannten werde ich im Folgenden nutzen und einige ausgewählte Lehren umzusetzen versuchen, wenn es darum geht, gegen die aktuelle Bedrohung des Imperiums vorzugehen – Ynnari.

2. Know your enemy

„Kenne deinen Feind und kenne dich selbst, und in hundert Schlachten wirst du nie in Gefahr geraten.“ Sunzi

 

Wer meinen ersten Artikel über den Aufbau meiner Dämonenarmee gelesen hat, weiß schon, dass ich diesen Lehrsatz gebetsmühlenartig runter leiere. Und auch hier werde ich nicht müde, darauf hinzuweisen, dass es für einen (zukünftigen) Turnierspieler wichtig ist, zu wissen, was Einheit A und B des Gegners so können.

Essentielle Fragen, die ich mir stets stelle, wenn ich die Armee überhaupt nicht kenne (was recht selten passiert, weil ich nahezu alle Codizes zu Hause im Keller habe und neue Bücher alsbald kaufe, um auf aktuellem Stand der 40k Wissenschaft zu bleiben):

  • Ist das eine Nahkampf- oder Fernkampfeinheit?
  • Wie weit ist ihre effektive Wirkungsreichweite (laufen und schießen, aussteigen und angreifen, etc.)???
  • Welchen Einfluss hat diese Einheit auf meinen eigenen Gameplan?
  • Wie viel muss ich investieren, um die Wirkung der Einheit auszuschalten?

 

Eldar kennt ja jetzt wirklich jeder; sie waren auf jedem Turnier der letzten Jahre anzutreffen und unser prominentester Turnierspieler, David „Deathrat“ hat mit ihnen auf dem ESC 2015 mit 100 von 100 möglichen Generalspunkten eindrucksvoll bewiesen, zu was sie im Stande waren.

Kurze Anmerkung an dieser Stelle zu dem Eldar Codex: Im Grunde genommen gibt es keine schlechten Einheiten/ keine Codexleichen in diesem wundervollen Buch. Für jede taktische Aufgabe gibt es die passende Antwort, sprich Einheit. Panzerabwehr durch Feuerdrachen, Nahkampfpower durch Skorpione und Banshees, Flugabwehr durch Falken, Todessternblocker durch Wraithknight und Wraithguard etc. Schade, dass aufgrund unserer Art und Weise, Turniergelände aufzustellen und Turniere zu spielen, die Jetbikes alle anderen möglichen Konzepte der Eldar so in den Schatten gestellt haben. Brutale Feuerkraft durch Kadenz bei hoher Stärke und der unverschämt hohen Mobilität, verknüpft mit Objective Secured sind objektive Kriterien, an denen gemessen, keine andere Einheit an den Jetbikes vorbei kam.

 

Doch im Verlauf des letzten Turnierjahres jedoch waren immer seltener Eldar auf dem obersten Treppchenplatz zu sehen. Die Turniergemeinschaft hatte sich auf die Xenos-Bedrohung eingestellt und die Armeeliste entsprechend umgestellt. Wann immer man eine eigene Armee aushob, fragte man sich: Kann sie einen Wraithknight sicher umbringen, kann sie mit 20+ Jetbikes umgehen? Flying Tyranids bspw. hatten Deathrat eine empfindliche Niederlage beigebracht, weil sie explizit gegen Eldar ausgerichtet waren.

 

Die Eldar standen mit dem Rücken zur Wand und standen im Begriff, sich ein neues Armeelistenkonzept auszudenken, um sich dem neuen Anti-Eldar-Meta anzupassen. Glücklicherweise musste es nicht soweit kommen, denn Games Workshop hat dem Jetbike-General ein Supplement namens „Gathering Storm II – Fracture of Biel Tan“ geschenkt, mit dem man im Grunde genommen seine alte Jetbike-Ritter Liste weiter spielen kann, nur noch besser (nicht in allen Teilen, ich komme darauf noch zu sprechen). Mit diesem Supplement könnte man so viele tolle spitzohrige Dinge anstellen, doch die Spielergemeinschaft braucht erst mal eine Weile, bis sie dies erkennt und figurentechnisch auch umsetzen kann, vom vielen Training vor einem Turnier ganz abgesehen. Schauen wir einmal näher auf die Sonderregeln, das Herzstück des Supplements:

 

Strength from Death

Immer, wenn eine x-beliebige Einheit innerhalb von 7 Zoll zu einer Non-Vehicle Unit mit dieser Sonderregel ausgelöscht wird, darf die betreffende Ynnari Einheit entweder sich bewegen, boosten, schießen oder in den Nahkampf stürmen. Man nennt dies: Soulburst Action (in unserem Club Eternal Warriors nennen unsere Eldar Spieler das: Bürsten! Ich finde den Begriff so witzig, dass ich ihn im weiteren verwenden werde).

Was heißt das denn konkret auf das Spiel bezogen?

Es ist ein weiterer massiver Eingriff in die Spielmechanik. Eine Armee kann jetzt unmittelbar auf eine Aktion des Gegners reagieren, auch bevor sie ihren eigenen Spielerzug erhält. Und darüber regen wir uns am meisten auf, weil wir im Herzen alle konservative Menschen sind, die keine Lust darauf haben, dass sich das Leben/ Spiel so dramatisch ändert und wir uns zwingend anpassen müssen, um nicht unterzugehen. Aus Sicht des Eldars ist diese Regel wundervoll. Eldar mussten bislang den Alpha Strike des droppenden Space Marines geduldig ertragen, doch nun lautet das Spiel: Bringst Du eine Einheit von mir um, bringe ich danach eine Einheit von Dir um. Am besten eine, die noch nicht auf Eldar schießen konnte in dieser Runde. Reduzierung der Feuerkraft des Gegners. Oder wenn das Schießen nichts bringt, booste ich halt bis zu 36 Zoll weg (und besetze Marker) oder am allerschlimmsten für uns: Der Wraithknight geht in den Nahkampf, nachdem wir einen Warlock erschossen haben.

Aber man darf nicht vergessen, dass Eldar in der Aufstellungs- und Bewegungsphase darauf achten müssen, in 7 Zoll zu bleiben, weil sie sonst diese Sonderregel verlieren. Interessant, gleich mal notieren.

 

Revenant Psykers

Psyker dürfen auch auf der Revenant Tabelle würfeln.

Und es geht weiter mit der Psi-Todesspirale. Ich verliere mich jetzt nicht darin, jede Psikraft vorzubeten, das könnt Ihr selbst nachlesen. Aber es ist nicht zu leugnen, dass all die neuen Psilehren dazu geführt haben, dass der Psyker auf der Platte derzeit stärker ist als das Schwert in der Hand. Nur ganz wenige Armeekonzepte kommen heute noch ohne Psi aus. Es reicht, hier zu sagen, dass auch Eldar wunderbare Psikräfte haben, die einem gegnerischen General die Haare zu Berge raufen lassen.

 

Ich ertrage also geduldig das Auswürfeln und werte dann konkret aus, was diese Psikräfte meinem eigenen Gameplan entgegen werfen werden.

 

Reborn Warhost Detachment

Kein neues Buch ohne irgendwelche, teilweise abstrusen, zusätzlichen Sonderregeln für seine Einheiten, wenn man diese als Detachment XY aufstellt. Und so schenkt GS II dem Eldar das Reborn Warhost Detachment, dessen Command Benefits wie folgt aussehen:

 

Leader of the Reborn

Wiederhole Warlord Trait Wurf auf der Ynnari Tabelle. Ok, das kennen wir von jedem neuen Buch und auch schon vom kombinierten Kontingent (CAD). Ist ein bisschen wie Kniffeln mit leicht präparierten Würfeln, bleibt trotzdem glücksabhängig (es sei denn man spielt Tzeentch-Dämonen, da sind 5 der 6 Warlord-Traits wirklich gut).

 

Our Souls we entrust

Einheiten werden stubborn. Ist eine weitere Einheit innerhalb von 7 Zoll, müssen keine Moralchecks für Verluste ab 25% durchgeführt werden.

 

Boah, ein echter Schlag ins Gesicht für alle nicht Eldar. Hatte man bislang mit Moralbomben die blöden Bikes von der Platte gejagt oder wenigstens gehofft, mit dem Ausdünnen der Einheit durch das Erzwingen eines Moraltests die Truppe zum Rückzug zu zwingen, können wir uns das jetzt von der Backe schmieren. Selbst im Nahkampf wird es jetzt schwieriger zu siegen.

 

Warhost of Ynnead

Wenn das Detachment mindestens 7 Einheiten enthält, darf man mit zwei Einheiten bürsten.

 

Aha. Jetzt sind sie völlig wahnsinnig geworden in Nottingham. Für jede getötete Einheit (egal ob Eldar oder nicht Eldar) gibt es zwei weitere tote Einheiten (nicht Eldar). Ich übertreibe maßlos, ich weiß. Aber es ist die Kombination der Bürsten-Regel mit der Souls Regel, deren Auswirkung meiner persönlichen Meinung nach beim Schreiben der Regeln nicht zur Gänze verstanden wurde. Für uns als Feinde des Eldars bedeutet das nämlich: Töte ich ganze Einheiten der Spitzohren, schlägt er doppelt so hart zurück. Töte ich sie nicht ganz, bleibt die Einheit definitiv im Spiel, kann weiter agieren, schießen, Marker besetzen etc.

 

Wenn wir aber kurz innehalten im Jammern, müssen wir feststellen, dass auch der Eldar einen verdammt hohen Preis für diese Art der Armeekomposition zahlen muss.

  1. Er verliert einige Sonderregeln: Battle Focus und Objective Secured.

Das sollten wir nicht aus den Augen verlieren. Wer kennt das nicht? 4 Runden lang schießen einem die Jetbikes aus sicherer Entfernung jede einzelne Schraube aus der Servorüstung, um dann in Runde 5 frech auf die Marker in 48 Zoll Entfernung zu boosten und das Spiel mit einem süffisanten Lächeln zu beenden: „Der Marker gehört mir, denn ich habe eine OS-Einheit im Gegensatz zu Deiner.“ Gerade ich als Skitarii-Spieler kann ein trauriges Lied darüber singen.

  1. Der Eldar muss mindestens 7 Einheiten dem Warhost angliedern, und eigentlich hätte er ja auch gerne noch ein paar OS Einheiten. In Umsetzung dessen, dass er gerne bürsten will und gerne OS Einheiten haben möchte, werden die Jetbike-Einheiten kleiner (Punkte sparen).
  2. Neben der Eldar Fraktion erhält er zusätzlich die Ynnari Fraktion. Und dies hat in unserem TTM – Turnierrahmen eine sehr wichtige Auswirkung: Es ist für den Eldar nicht möglich, mit einer weiteren Fraktion zu alliieren – keine infiltrationsverhindernden Inquisitoren, keine psibannenden Sisters of Silence, keine punktgenau droppenden Eldar/ Dark Eldar Wraithguards etc.

Ich persönlich finde diese Regelauslegung konsequent von TTM, aber auch recht hart für Eldar Spieler.

 

3. Taktiken zur Bekämpfung des Ynnari

Der Schwerpunkt des Artikels – Butter bei die Fisch. Was tun mit den oben ausgearbeiteten Beobachtungen?

  • kein OS mehr
  • fliehen bei Beschuss nicht mehr von der Platte
  • schießen zweimal zurück, hauen ab oder gehen in den Nahkampf, wenn man eine Einheit tötet
  • bleiben länger im Nahkampf

„Deswegen wird ein erfahrener Heerführer immer zuerst eine Position einnehmen, in der er nicht geschlagen werden kann.“ Sunzi

 

Achtung, Achtung. Der Eldar hat nichts an seiner Feuerkraft verloren, er ballert immer noch eine fahrlässig aufgestellte Dämonen- oder sonstige Armee in Schutt und Asche, wenn man ihn lässt. Daher empfehle ich dringend, gegen Eldar (und Tau) mindestens einen ordentlichen Line-of-Sight (LoS) Blocker mitzunehmen, was bei 20 Punkten für eine Ruine auch nicht ins Gewicht fällt. Überhaupt spielt die Ausnutzung des Geländes, insbesondere während der Bewegungsphase, eine überragende Rolle in unserem Spiel; etwas, was mancher General in hitzigen Phasen gerne mal vergisst.

 

„Ohne jeden Kampf einen Feind zu unterwerfen, ist in der Tat wahrer Genius.“

Sunzi

 

Damit ist das Spiel auf die Marker gemeint (Sunzi kannte wohl schon die Eternal War und Mahlstrommissionen, bei denen es ausschließlich um das Besetzen taktisch wichtiger Positionen ging). Wenn ich Objective Secured Einheiten ins Gefecht werfe und der Eldar hat keine, dann brauche ich nichts mehr zu tun, als auf jedem der Marker eine Einheit zu stellen und das Ende des Spieles abzuwarten. Das Gleiche geht natürlich auch mit Dämonen, die einen Marker verseuchen können und dann einfach besetzt halten. Meistens werden das die Eldar nicht zulassen wollen und werden ihre Feuerkraft einsetzen, um den Marker erst frei zu schießen, bevor sie ihn dann selbst besetzen. Das können wir aber verhindern durch:

  1. Marker so platzieren, dass sie von Einheiten hinter vorhandenen LoS Blockern eingenommen werden können,
  2. die eigene Ruine so platzieren, dass sie die Rolle des LoS Blockers übernimmt
  3. mit mobilen LoS Blockern spielen (Fahrzeuge). Der SM Spieler sollte daher sein Armeelistenkonzept mit 14 Kapseln (bei denen mangels offenen Türen so gespielt wird, dass man immer LoS hat mit 5er Decker (ich empfehle, die Drop Pods anständig zu bauen und die Türen offen zu lassen, dann stellt man auch fest, dass man hinter drei in Linie stehenden Pods den Scriptor tatsächlich nicht wird sehen können)) überdenken und mehr Rhinos mitnehmen. Eldar Bikes mangelt es an Durchschlag, ergo werden die (kostenlosen) Rhinos tot gestreift und der Standardtrupp SM kann unbesorgt Pausenbrot auspacken auf einem Marker,
  4. unglaublich haltbare Einheiten zum Halten einsetzen, an denen sich die Feuerkraft der Eldar bricht. Dazu eignen sich Tanks (siehe das Spiel von Bentagon gegen pycho_andy auf dem MoB), Psikräfte (veil of time, invisibility), Thousand Sons mit wiederholbarem Rüstungswurf, Nurgle Typen (die auch noch OS mitbringen), Fahrzeuge mit einer Panzerung 13 und mehr, und, und, und.
  5. MSU spielen, sprich: viele kleine Einheiten mitbringen und einem nach dem anderen auf den Marker setzen, wann immer die vordere Einheit ausgelöscht wurde.
  6. Einheiten spielen, die immer wieder kommen (oder beschwören). Neuerdings gibt es ja Codizes/ Supplements, bei denen Einheiten mittels Sonderregel nach dem Ausschalten wieder auf dem Spielfeld erscheinen können. Finde ich super, hart in die Fresse des Eldar lachen: „Töte mich doch, gleich bin ich wieder da.“
  7. Missionsgrabber einsetzen. Damit sind kleine, schnelle Einheiten gemeint, die im Late Game das tun, was früher Eldar gemacht taten: Auf einen Marker boosten und gewinnen. Bikes, Bestien, Kavallerie, solche Truppen halt.

 

„Der Vorsichtige, der sich gegenüber einem unvorsichtigen Feind auf die Lauer legt, wird sicher siegen.“ Sunzi

Das Spiel wird taktischer angelegt werden müssen. Nach vorne fahren, aussteigen und drauf los schießen wird ganz sicher das Bürsten auslösen und dem Eldar die Vorteile seiner Sonderregeln verschaffen. Es geht darum, seine Einheit so zu positionieren, dass sie im Idealfall die gegnerische Einheit bekämpfen kann, ohne von anderen Eldareinheiten bekämpft zu werden und ohne dabei das Bürsten gegen eigene Einheiten auszulösen, die noch nicht geschossen haben. Ich muss mich ab sofort also immer fragen: Wenn ich jetzt die Einheit X töte, kann dann eine Einheit Y, die innerhalb von 7 Zoll steht, auf mich oder eine meiner anderen Einheiten wirken? Hoch komplex, was Zeit in Anspruch nehmen wird. Natürlich wird im Gegenzug der Eldar bestrebt sein, in seiner Bewegungsphase seine Einheiten so zu platzieren, dass er das Bürsten voll ausnutzen kann.

Ich prophezeie, dass bei zwei ähnlich guten Spielern, bei denen einer Ynnari führt, dass Spiel deutlich langsamer gespielt wird als das früher mit Eldarn war. Und das führt mich automatisch zu einem Thema, welches ich in meinem nächsten Artikel aufgreifen will: 40k und die Zeit – es ist endgültig Zeit für die Schachuhr! Mehr in Bälde

 

„Derjenige, der genau weiß, wann er kämpfen darf und wann nicht, wird sicher siegen.“ Sunzi

Ich beobachte häufig Spieler, die jede Gelegenheit nutzen, mit ihrer Einheit zu schießen, nur um damit geschossen zu haben. Dabei wäre es zweckmäßiger gewesen, nicht auf den Feind zu schießen, und bspw. besser zu rennen, um den Missionsmarker in der nächsten Runde sicher einzunehmen, nicht vor der gesamten feindlichen Armee Zielscheibe zu stehen und damit ihm die Chance zu geben, Missionskarten zu erfüllen, dem Gegner das eine Modell weg zu schießen, so dass der Chargeweg für die eigene Einheit zu weit wird und so weiter. Das gilt natürlich auch im Spiel gegen Eldar. Besonders, wenn dieser ein paar Warpspinnen dabei hat, die dann einfach weg springen und vielleicht den Marker einnehmen können, der im Eldar-Spielerzug noch unerreichbar war.

Aber es ist noch etwas anderes gemeint. Es gibt einen Kampf, dem wird man nicht wird ausweichen können, wenn man gegen Ynnari/ Eldar spielt: Dem Kampf gegen den Wraithknight. Strength from Death hat den Wraithknight noch stärker gemacht, und ich meine noch nicht mal den offensichtlichen Bonus für ein zweites mal mit TK schießen. Nein, ich meine die Nahkampfbestie Ritter. Dank dieser Sonderregel kann der sich bis zu 24 Zoll bewegen (guckt mal in die Psilehre; andere Möglichkeiten: Man opfert eine eigene Einheit (boosten ins Gelände, Perils, sterben im Abwehrfeuer). Der Ritter wird sterben müssen oder auf Ewigkeit in einem Nahkampf gebunden werden (was aber dank Stomp fast nicht möglich ist). Dafür werden wir Ressourcen opfern müssen, vielleicht sogar mehr, als der Ritter kostet, aber es ist notwendig, wenn der Typ nicht das Spiel dominieren soll.

 

„Im Kriege ist es von größter Wichtigkeit, die strategischen Pläne des Feindes zu durchkreuzen.“ Sunzi

Eine Binse, ich weiß. Was will denn der Eldar? Im direkten Feuer den Feind auslöschen und Marker besetzen (wenn man mal vom Ritter absieht). Wann habt Ihr das letzte mal über Einheiten nachgedacht, die den Eldar bekämpfen können, auf den er nicht zurück schießen kann? Ich denke an Artillerie des Astra Militarum, Thunderfire Cannons der SM (am besten noch mit Sergeant Thelion in der Nähe, kicher), aber es gibt neuerdings auch Psikräfte, mit denen Einheiten gesegnet werden, ihre Waffen ohne LoS einzusetzen. Eine andere Möglichkeit ist der (multiple) Nahkampf, entweder durch Displacement mit einer brutalen Nahkampfeinheit oder wie Demonkin mit großen Hundetrupps, die nur eine Schussphase überstehen müssen, um dann zurück zu schlagen. Eine weitere Möglichkeit ist das Binden der Feuerkraft im Nahkampf (Zitat Bentagon: „Abstellen von Einheiten“). Ein Dragooner für 45 Punkte kann ein Vielfaches an Punkten (Eldar Bike Einheit) binden, er muss noch nicht mal gewinnen. Hauptsache, die Bikes können ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen.

 

„Die ganze Kriegskunst basiert auf List und Tücke.“ Sunzi

Genestealer Cult, ich sage es immer wieder, schaut in diesen Codex (oder lest meine Artikel unter Eternal-warriors.de) und Ihr werdet sehen, dass Genestealer Cult der natürliche Feind des Jetbike-Eldars (ohne OS) ist.

 

4. Schlusswort

„Mit viel Planung kann man siegen, mit wenig kann man es nicht!“

„Ein Meister der Kriegskunst erringt seine Siege immer. Das bedeutet: Was immer er tut, sichert seinen Sieg.“ Sunzi

Bereits bei der Ausplanung der eigenen Armee muss man sich zwingend Gedanken um seinen Feind machen und entsprechende Veränderungen seines Schlachtplans durchführen. Es gibt zwei Vertreter unter den radikalen Turnierspielern (diejenigen, die sich und ihre taktischen Fähigkeiten unter Turnierbedingungen mit Gleichgesinnten messen wollen):

a.) Ich zocke eine Armeeliste, die gegen die meisten super hart ist, aber auch einen Hard Counter hat – hoffentlich muss ich nicht gegen diesen Gegner ran. Anmerkung: Hört dann aber bitte auch auf zu jammern, wenn dieser Gegner auf der anderen Seite der Platte steht.

b.) Ich zocke eine super flexible Liste, die gegen alles gewappnet ist zum Preis, nicht immer 20:0 gewinnen zu können (spiele ich eigentlich sehr gerne, damit wird man aber in unserem Turnierrahmen mit 20:0 Punktebewertung nur sehr selten ganz oben stehen können).

Ynnari zwingen dazu, sich vor und besonders intensiv in der Schacht, immer wieder Gedanken zu machen, Pläne anzupassen und auf den Zug der Ynnari zu reagieren.

Sind Ynnari unschlagbar? Definitiv nein. Sind sie besser als normale Eldar? Auch das verneine ich. Ynnari sind Eldar in einer anderen Ausprägung, die anders als die alten Eldar bekämpft werden müssen. Sie sind eine Tier 1 Armee, nicht mehr und nicht weniger.

Auch Ynnari werden sich weiter entwickeln, das reine Jetbike Spammen wird nicht das einzige Konzept bleiben. Schon höre ich von boostenden Seherräten, die in der gegnerischen Schussphase in den Nahkampf stürzen, Serpents mit Wraithguards, die sich bedenkenlos dem Feind entgegen werfen etc.

Ist das nicht toll an diesem Spiel? Ständig ändert sich etwas – nichts bleibt, wie es ist.

Ach ja, was habe ich tatsächlich dem Fragesteller geantwortet? Er gab sich natürlich nicht zufrieden mit meiner Antwort, so dass ich ihm folgende Armeeliste gebastelt habe:

White Scars Gladius Strike Force

Battle Company

Chaplain mit Hunters Eye, 2x Attack Bike, Devi-Trupp mit LKs, Grav-Cents, 5 Razorbacks, zwei Drop Pods

Suppression Force

 

Ultra Marines CAD

Tigurius, 2x Scouts, Drop Pod, 2er Trupp Salvenkanone, Ruine

Mit dem Rest nach Gutdünken verfahren.

 

Er gewann tatsächlich sein nächstes Spiel, knapp, aber dennoch.

 

Euer Engelshäubchen.

 

 

 

9 Gedanken zu „YNNARI – TATSÄCHLICH UNSCHLAGBAR??

  1. Wieder einmal danke sehr lieber Haube für diesen Artikel. Ich kann mich im großen und ganzen mit Deinen Ausführungen anfreunden, allerdings glaube ich als Nicht-Eldar-Spieler immer noch, dass die frechen Ynnari bei weitem stärker sind als CAD Eldar mit OS. Einfach aus dem Grunde, dass sie meiner Meinung nach weitaus weniger Missmatches haben als die Spitzohren, die dich nicht von der Platte bürsten 😉

  2. Erneut ein hervorragender Artikel, der dein Engagement bzgl. des Hobbys deutlich widerspiegelt!
    Ich konnte einige Dinge für mein nächstes Spiel bzw. für die Turniervorbereitung mitnehmen…Danke!

    Gruß
    Yamamoto

  3. Guten Morgen,
    ein wirklich interessanter und gelungener Artikel.

    Hier noch eine kleine Ergänzung:
    Das Optimale gegen die fiesen Jetbike-Ynnari sind meiner Meinung nach jede Menge Chaosdrachen (mind. 3 Stück). Mit der Luftüberlegenheit, die man mit großer Sicherheit bekommt (kein Ynnari-Spieler spielt Flieger), kommen die Drachen mit großer Sicherheit in Runde 2 (auf 2+) und dann wird ordentlich gegrillt. Feuer der Warpschmiede an und die ersten drei Jetbike-Trupps können genüßlich auf den Grillteller (Tablet des Gegners) drapiert werden. Wenn man das dann noch mit zwei drei Trupps schockenden Obis kombiniert, die auch auf 2+ aus der Reserve kommen, stehen nach Runde 2 erstmal fünf Jetbikeeinheiten weniger auf der Platte. Und sowohl den Drachen, als auch den Obis ist das Bürsten der anderen Ynnari relativ egal, wenn sie sich etwas von den D-Kanonen fernhalten.

    Zusammengefasst, in meinen Augen ist der beste Konter für die neuen Ynnari eine gut gespielte Chaosliste.

    VG Imothek

  4. Ich muss Dir da ganz dringend widersprechen Imothek.

    Grade Drachen sind ganz schlecht gegen die Ynnari. Der erste Drache grillt die erste Einheit Ynnari, danach nutzen zwei Einheiten ihren Soulburst um sich aus dem Feuerwinkel der anderen Drachen zu begeben. Die Drachen schießen dann im schlimmsten Fall gar nicht.
    Das ist meiner Meinung nach auch die größte Stärke des Soulbursts: Die eigene Bewegungsphase wird in der eigenen Schußphase “negiert” sobald den Ynnari Soulbursts zustehen. Man kann dann nicht mehr durch eigene Bewegung reagieren.

  5. Super erklärt. Für mich als baldigen Turniereinsteiger Gold wert.
    Aber mal ne Frage zum Thema Fraktionen:
    War nicht der Grundgedanke bei TTM dass es von Saisonbeginn bis zum Ende nur bis Dato erschienene Publikationen mitmachen dürfen? O.o

  6. @Warmachine: Um Gottes Willen, nein. TTM hat sich seit seiner Gründung stets bemüht, möglichst schnell neue Publikationen mit ins Spiel zu bringen. Besonders die FAQ Jungs sind da sehr schnell in der Klärung offener Fragen.

    Der Rahmen, wie Armeen aufgebaut werden, der bleibt für eine Saison gleich: Max 3 Kontingente, max 2 Fraktionen. Bei den neu publizierten Ynnari hätte man ja eine Aufweichung als Spieler erhoffen können (schließlich sind beide Fraktionen belegt, wenn man Eldar als Ynnari spielt), aber die TTM Orga hat sich zugunsten ihrer eisernen Grundregel dagegen entschieden – und bleibt damit völlig nachvollziehbar.

  7. Moin,

    das ist witzig. Da muss ich dir wiederum auch ganz dringend wiedersprechen Schmuvness 😉

    Vorab gilt natürlich erstmal Sunzis Spruch: “Know yourselve and know your enemy, and you need not fear the result of a hundred battles :-)”. Gerade der erste Punkte ist für die Chaoten extrem wichtig. Man muss seine eigenen Einheiten genau kennen und wissen, wie man sie richtig einsetzt. Sonst hat man natürlich gegen die stärkste Armee im Spiel keine Chance, da hast du recht.

    Wenn ich mir die aktuellen Würfelgötterlisten anschaue, sind da in jeder Yannari-Liste mindestens 10+ Einheiten, die ein Drache in einer Runde weglutschten kann. Da muss man seine Drachen schon extrem dämlich stellen, damit die nichts mehr im Feuerwinkel von ihren Schwallflamern haben, auch wenn zwei Einheiten weggebürstet sind. Gerade weil sich die Ynnari ja vermutlich immer relativ gedrubbelt aufstellen um vom Bürsten und vom Furchtlosbonus gegen Beschuss zu profitieren. Zudem dauert das Spiel ja für die Drachen in der Regel auch noch 4+ Runden, in denen sie sich nach und nach eine Einheit nach der anderen grillen können. Gerade mit den neuen Wendigkeitsregeln aus dem DftS Buch, werden die ja nochmal flexibler.

    Dann kommen bei meiner Taktik natürlich noch die Obis dazu, die auch kein Reichweitenproblem haben und Jetbikes auch auf Distanz gut wegbraten. Und wenn die Jetbikes dann 36Zoll wegbürsten, warten da ja auch noch zwei hungrige Dämonenprinzen, die sich gerne mal eine Einheit Bikes im Nahkampf wegsnacken.

    Und zum Schluss kommt natürlich noch hinzu, dass auch Ynnari ganz gerne mal Missionsziele halten wollen. Und da ist dann wegbursten nicht immer die beste Option.

    Zusammengefasst:
    – Wer die Drachen nicht ordentlich hinstellt ist selber Schuld 😉
    – Das Drachenspiel dauert in der Regel 4+ Runden
    – Die Drachen stehen nicht allein auf der Platte, die Synergie macht die Chaoten stark

    VG Imothek

    p.s. Hier noch eine schnell zusammengeklickte Chaosspacemarineliste, die ich mir gut gegen Ynnari vorstellen könnte. (Belakor macht irgendwas unsichtbar und der Nurgleprinz macht Eisenarm oder beschwört Dämonen).

    Chaos Space Marines: Kombiniertes Kontingent – 1843 Punkte
    *************** 2 HQ ***************
    Be’Lakor
    – – – > 350 Punkte

    Dämonenprinz, Flügel, Dämon des Nurgle, Meisterschaftsgrad 3
    + Handwaffe -> 0 Pkt.
    – – – > 275 Punkte

    *************** 2 Standard ***************
    10 Chaoskultisten
    + Champion, Maschinenpistole, Handwaffe -> 10 Pkt.
    – – – > 50 Punkte

    10 Chaoskultisten
    + Champion, Maschinenpistole, Handwaffe -> 10 Pkt.
    – – – > 50 Punkte

    *************** 3 Sturm ***************
    Höllendrache, Hexenfeuerwerfer
    – – – > 170 Punkte

    Höllendrache, Hexenfeuerwerfer
    – – – > 170 Punkte

    Höllendrache, Hexenfeuerwerfer
    – – – > 170 Punkte

    *************** 3 Unterstützung ***************
    3 Kyborgs, Mal des Nurgle
    – – – > 228 Punkte

    3 Kyborgs, Mal des Nurgle
    – – – > 228 Punkte

    2 Kyborgs, Mal des Nurgle
    – – – > 152 Punkte

    Gesamtpunkte der Armee : 1843

  8. Danke sehr für den Input Immothek!

    Aber meinst Du nicht, es ist stets recht einfach, eine Anti-Liste gegen etwas aufzustellen, aber immens schwer, sie so zu optimieren, dass sie auch turniertauglich ist.

    Gegen Ynnari funktioniert diese Liste bestimmt prima, glaube ich sogar, aber was, wenn Du bspw. gegen Magnus-Flying Circus spielst oder gegen Gladius? Die eine kriegste nicht tot, die andere punktet sich tot, bevor sie umgebracht wird.

    Den wichtigsten Punkt aber hast Du sehr schön heraus gestellt: Es gibt (sehr) wirksame Mittel gegen Eldar.

  9. Wieder ein sehr interessanter Artikel!

    Vielen Dank, war wieder sehr schön zu lesen und bringt einem wieder neue Einblicke.

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