ETC 2018 – EIN KLEINES RESÜMEE AUS DEUTSCHER SICHT

In drei Artikeln widmeten Fred und meine Wenigkeit, E-Haube, uns den Vorbereitungen unseres deutschen Teams und seines Erstrundengegners Dänemark. TSL ergänzte um einen Artikel über die vielen kleinen Händen, welche das deutsche Team nach Zagreb getragen hatten.

 

Die Schlachten sind geschlagen, die Wunden werden geleckt; während ich schreibe, ist das Team auf dem Rückweg nach Hause.

Dank der hervorragenden Berichterstattung unseres White Fairy Veteranen Athaxas, der seit einiger Zeit auch ein erfolgreicher Verleger in der Fantasybranche geworden ist, konntet Ihr über dem White Fairy Kanal auf Facebook die Erfolge, aber auch die Leiden der Teutonen hautnah miterleben.

An dieser Stelle ein neidloses Chapeau und Congratulations zum verdienten Sieger „Team USA“, die ihr Versprechen einhielten, welches sie ihren Landsleuten im Vorfeld gemacht hatten, nämlich den begehrtesten Pokal der Teamturnierszene nach Hause zu holen. Sechs Spiele – sechs Siege. Erfolge brauchen keine Erklärungen, Niederlagen erlauben keine.

 

Schauen wir uns einmal die ersten 9 Mannschaften in der Gesamtwertung kurz etwas genauer an. Neben den erzielten Punkten (2 pro Sieg der Mannschaft, 1 für Unentschieden) und Spielpunkten (bis zu 20:0 pro Spiel und Spieler) habe ich noch eine weitere Kennzahl eingeführt: Den TIER-Koeffizient. Die Berechnung ist simpel: Man addiere die Endplatzierung der einzelnen Gegner einer Mannschaft und dividiere durch die Gesamtzahl der gemachten Spiele, in unserem Fall: 6. Je niedriger der TIER-Koeffizient, umso höher waren die jeweiligen Gegner platziert.

 

 

Platz Nation Punkte Spielpunkte TIER-Koeffizient
1 USA 12 584 11
2 Dänemark 9 581 10,333
3 Schottland 9 550 11
4 Deutschland 8 625 18,166
5 England 8 586 11,666
6 Polen 8 547 12,333
7 Russland 8 544 7,333
8 Spanien 8 525 11
9 Weißrussland 8 480 14,833

 

 

Zwei Zahlen stechen bei den ersten neun Mannschaften besonders hervor: Deutschland und Russland. Während Deutschland die leichtesten Gegner hatte (gemessen an der Endplatzierung: Deutschland spielte nur gegen einen der Top-Ten Mannschaften: Dänemark), mussten die Russen gegen die spätere Nummer 1, 2 und 3 ran. Das zehrt an den Kräften.

Man kann daran wunderbar eine Taktik erkennen, die zwar nicht von den Deutschen gewollt war, aber von dem einen oder anderen Top-Spieler auf Einzelturnieren durchaus schon mal angewandt wird: Hole zu Beginn nicht die Höchstpunktzahl und Du kannst durchaus am Ende auf dem Treppchen stehen, indem Du in Folge gegen deutlich leichtere Gegner zocken darfst.

Das ist bewusst etwas überspitzt formuliert, damit es jedem deutlich wird. USA, Russland, Schottland und Dänemark hatten je vier Spiele gegen Top Neun Mannschaften, Polen und Spanien je drei, England noch zwei, Weißrussland und Deutschland je 1 Spiel gegen Top Teams.

Deutschland verlor gleich das Auftaktspiel gegen Dänemark und konnte in Folge leichtere Spiele bestreiten. Das lag aber nicht nur am Team, sondern auch an einer rätselhaften Entscheidung der Referees zu Gunsten des französischen Teams im Spiel gegen unsere Jungs. Trotz offensichtlichen Zeitspiels des französischen Orkspielers gegen seine Nemesis, die Aggressoren-Liste Bels, mit dem es ihm analog des GT Gewinners in London gelang, (übrigens auch ein Ork), über die volle Distanz von 4 Stunden nicht mal 3 Runden durchzuspielen und somit noch ausreichend präsent auf den Markern zu sitzen, um 15:5 zu gewinnen. Der Laie staunt, der Kenner wundert sich. Wurden doch explizit Schachuhren in das ETC Reglement eingeführt, um diese Unsportlichkeit zu verhindern. Ein deutscher Spieler nannte es passenderweise: Taktisches Faul, denn durch diese Punkte konnte Frankreich knapp gewinnen und Deutschland kämpfte in Folge gegen TIER 2-3 Mannschaften. Mit dem Titel war es damit aber Essig. In Athen hatten im übrigen Referees die Verweigerung unseres damaligen Captains Deathrat, dem gegnerischen Spieler die Psiphase nachträglich noch zu erlauben, obwohl dieser schon mit mehreren Einheiten geschossen hatte (!), als grobe Unsportlichkeit und damit als 0:20 gewertet wurde, kam der Franzose, der unserem Space Marine 3 ganze Spielzüge geklaut hatte, ungeschoren davon. Unser Ruf scheint nicht der beste zu sein.

Mit den Punkten der Franzosen hätten wir vor dem Finale auf dem 2. Platz gestanden und hätten gegen USA um die Krone kämpfen können. Hätte, wäre, wenn. Wer weiß schon, wie wir gegen weitere TOP TIER Mannschaften gezockt hätten, bspw. Polen oder Schottland statt Rumänien und Serbien.

 

Egal, schauen wir mal auf die Ergebnisse unserer Recken: Hier die individuellen Statistiken der deutschen Spieler auf dem ETC, bereits in eine Reihenfolge gebracht:

Supra – 6 Siege – 104 Punkte

Super Leistung unseres CSM Spielers, der die Vorschusslorbeeren, die man ihm verlieh mit Spitzenergebnissen rechtfertigte (er war einer von drei „spicy lists“, die im Blog glasshammer besondere Beachtung fand). Die Masseliste mit 1001 kleinen Stellschrauben dank Stratagemen, Charakterfähigkeiten und Zaubern hat sich als ein Universalwerkzeug erwiesen.

 

Veiovis – 5 Siege, 1 Niederlage – 100 Punkte

Unser Veteran und „Macher“ der Mannschaft, der sich enorm viel Verantwortung nach dem letzten ETC aufbürdete, um dieses Team zu formen (ein fettes Dankeschön nochmal von meiner Seite!!!), hat mit Ausnahme seines Erstrundenmatches alle Spiele mit 20:0 gewonnen. Nur der dänische Renegade Knight Traitor baute eine Feuerwand auf, gegen die selbst die härtesten Grotesquen nichts mehr entgegen zu setzen hatten.

 

Lys – 4 Siege, 1 Unentschieden, 1 Niederlage – 92 Punkte

Und es war auch noch eine knappe Niederlage, daher ebenfalls Chapeau an den IK/ Astra Militarum Spieler, der wie kaum ein Zweiter im Team mit seinem Build mehrfach neu beginnen musste, bis die endgültige Liste stand und der mit unserem Non-Playing Trainer und Betreuer TheRebornDragon tausende von Testspielen hinter sich brachte. Inklusive des ESC war Lys neben Supra der erfolgreichste deutsche Spieler.

 

Bentagon – 4 Siege, 2 Niederlagen – 79 Punkte

Vier Siege mit Admech, ich hatte nie daran gezweifelt. Aber ausgerechnet gegen die Dänen und die Franzosen stellten die Cogniservitoren die Schlachtenberechnungen ein. Dennoch ein gutes Debüt, da schließe ich den nächsten gleich mit ein, der nahezu identisch zu Ben spielte:

 

Bel – 4 Siege, 2 Niederlage – 79 Punkte

Wer spielt heutzutage noch Space Marines? Einen Tapferen haben wir in dem Hamburger gefunden und er hat sich doch prima geschlagen. Aber leider, leider, gegen die Hammerlose fand auch er seinen Meister.

 

TSL – 3 Siege, 3 Niederlagen – 62 Punkte

Als Captain scheint sich TSL die härtesten Aufgaben selbst gegeben zu haben. Für seine Niederlagen gegen die Top Teams Dänemark (und Frankreich) sehe ich zwei Möglichkeiten:

a.) er hat bewusst ein schlechtes Matchup in Kauf genommen, um für andere Spieler ein besseres Matchup zu erzeugen – dann sage ich: Großartig gemacht (denn er hat trotzdem noch achtbare Punkte aus dieser Rolle erkämpft) oder

b.) Tau haben es momentan nicht mehr drauf gegen harte Gegner. Ich hoffe, unser Captain kann uns im Kommentar zu diesem Artikel ein wenig Aufschluss geben.

Immerhin, über 60 Punkte geholt und damit im Schnitt noch 10 Punkte pro Spiel.

 

LTT – 2 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen – 57 Punkte

Im Spiel gegen die Dänen standen die Würfelgötter definitiv nicht auf Tyranidenseite, ansonsten wären 25 Wunden gegen drei chargende Tyranten und gleich drei verpatzte Angriffe der Carnifexe nicht zu erklären. Aber auch im Spiel gegen die Tau der Franzosen schien das Schwarmbewusstsein ein Blackout gehabt zu haben: Offene Platte und der Tau darf anfangen.

Dass ausgerechnet unser erfahrenster Spieler in den beiden wichtigsten Begegnungen gegen vermeintliche Top-TIER Mannschaften keinen Punkt holen konnte, ist für mich enttäuschend. Von Fritz hatte ich mehr gefordert. LTT ist selbstkritisch genug, er spürte bereits vor dem Turnier, dass es für Tyras schwer werden würde. Doch ernsthafte Alternativen konnten von uns für ihn nicht mehr rechtzeitig ausgemacht werden.

 

Quarkqt – 2 Siege, 4 Niederlagen – 52 Punkte

Quarkqt hatte mit Eldar eine sensationelle Saison 2017. Er wurde von mir (an anderer Stelle) bereits als der legitime Erbe von Braindead, dem deutschen 40k Pendant von Chuck Norris, gekürt. Hatte er bislang vor allem mit Shining Spears und Dark Reapers Panik in der deutschen Szene verbreitet, baute er für das ETC seine Liste komplett um: Er sollte/ wollte es dem Gegner schwer machen, hoch zu gewinnen. Klingt ganz nach der klassischen Steller-Strategie. Wenn man allerdings sieht, dass ein 08/15 Eldar das ESC mit 120 Punkten für sich gewinnen konnte, darf man sich an dieser Stelle schon mal fragen, ob wir hier auf das richtige Pferd gesetzt hatten.

 

Jeder, der schon einmal ein Team-Turnier gespielt hat, wird wissen, dass der individuelle Punktwert im Vergleich zu einem Einzelturnier weniger Bedeutung besitzt, da es um die Erfüllung einer Aufgabe in der Mannschaft geht – Stichwort: Steller versus Konter. Während der Konter extra gegen sein „Traumlos“ gepaart wird, um möglichst hoch zu gewinnen, verbleibt dem Steller die undankbare Aufgabe, nicht komplett unterzugehen. Jeder einzelne Punkt kann am Ende den Ausschlag geben. Im Idealfall gewinnt der Konter mit 20:0 und der Steller holt mindestens 2 Punkte. So gewinnt man mit 8 Spielern auf dem ETC jedes Match.

Wenn man sich die individuellen Spielergebnisse unter diesem Gesichtspunkt anschaut, dann fällt mir Folgendes auf:

Gegen Top Teams wie Dänemark ist Deutschland eingegangen und gegen Frankreich war es zu knapp, gegen TIER 2-3 ist es fast egal, wer gegen wen kämpfen muss, diese „Underdogs“ schlagen wir nicht nur zuverlässig, sondern geradezu überwältigend. Anders sind die hohen Battlepoints (Spielpunkte) auch nicht zu erklären.

Tja, was lässt sich daraus schlussfolgern? Trotz monatelanger Vorbereitung (und glaubt mir, die Jungs waren echt hart am Gas) verstanden es andere Top Teams besser, sich auf den Punkt mit den richtigen Listen vorzubereiten. Gegen die Dänen hatten wir im Frühjahr schon dieses ganz blöde Gefühl (lest dazu meinen Artikel über den Erstrundengegner). Im Nachhinein ist man immer klüger! Hier in Riedstadt bin ich zu weit weg, um die ganzen Details zu sehen und zu analysieren, an denen es lag oder liegen könnte. Selbstkritisch frage ich mich als Teil des Teams, was ich hätte besser machen können/ müssen.

Es wird jetzt drauf ankommen, nicht nur einen Schlussstrich unter die ETC Saison zu ziehen, sondern sich nochmal hin zu setzen und auszuwerten, damit das deutsche Team 2019 mit den besten Voraussetzungen nach Serbien fahren kann. TSL hat sich bereit erklärt, das Fundament dafür zu errichten. TheRebornDragon und meine Wenigkeit werden mindestens wieder als Supporter dabei sein. Unsere volle Unterstützung ist dem Team Deutschland gewiss. Ich hoffe, auch die Eurige.

 

Stets Euer Engelshäubchen

3 Gedanken zu „ETC 2018 – EIN KLEINES RESÜMEE AUS DEUTSCHER SICHT

  1. Toller Artikel Haube!

    Von mir auch noch mal Gratulation ans Deutsche Team.

    Bin schon gespannt wo und wann die nächste ETC ausgetragen wird und wer Deutschland vertritt. Ich kann den Amis ihren Sieg nicht ganz gönnen, also Go Team GER 2019 for taking back dat Titel 😉

  2. Das nächste ETC findet in Serbien in Novi Sad statt.
    Ja das sieht das Team auch so, das wir den Titel den Amis nächstes Jahr abnehmen müssen 🙂

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